Dienstag, 8. April 2008

Petrohué


Mal was Schönes: Impressionen von den Petrohué -Wasserfällen. Hier kann man mit der entsprechenden technischen Ausrüstung 360-Grad-Panoramen der Fälle betrachten (leider nicht von mir).

Montag, 7. April 2008

Eine Frage der Tarnung

An der Avenida Presidente Ibáñez, die die oberen Stadtteile von Puerto Montt verbindet, wächst zwischen Tankstellen und Autowerkstätten eine riesige Palme in den Himmel. Gut dreißig Meter hoch dürfte sie sein, schlank und ausgesprochen geradwüchsig steht sie da, die Krone freilich ist klein und ziemlich zerzaust. Trotzdem erstaunlich, dass ein solcher Baum hier derartige Ausmaße erreicht.

Beim näheren Hinsehen entpuppt sich die Palme dann schnell als Fake. Die vermeintliche Rinde ist eine bemalte Kunststoffhaut, und oben verbergen die schlaffen Blätter kaum noch den wahren Zweck des getarnten Mastes: Es handelt sich um eine Mobilfunkantenne.

Überall in Chile gedeihen diese Gewächse, und es werden immer mehr. Kein Wunder, immerhin haben nach neuesten Zahlen der Subsecretaría de Telecomunicaciones (Subtel), der staatlichen Telekomunikationsbehörde, neun von zehn Chilenen ein Mobiltelefon – exakt 13.955.022 Stück waren es angeblich Ende März. Im städtischen Umfeld nutzen laut Subtel 87,3 Prozent der Haushalte ein oder mehrere Handys, auf dem Land sind es sogar 94,3 Prozent. Chile ist ein sehr modernes Land.

Aber so wie überall auf der Welt, wo Funkantennen sprießen, regt sich auch hier Widerstand gegen die Masten der drei marktbeherrschenden Anbieter Movistar (Telefónica), Entel PCS und Claro. Die Zeitungen berichten vom wütenden Protest einer Gruppe von Eigentümern in Santiagos Superreichen-Viertel La Dehesa gegen eine Antenne, die auf einem nahe gelegenen Tennisplatz errichtet werden soll (woran der Platzbetreiber nicht schlecht verdienen dürfte), und bei La Serena im Norden haben Hausbesitzer eine einstweilige Verfügung gegen eine Funkpalme erwirkt, deren Baustart wohl nicht von ungefähr mitten in die Sommerferien fiel.


In Puerto Montt dürfte der Protest weniger erbittert ausgefallen sein. Im näheren Umkreis der Palme stehen bescheidene Behausungen, deren Eigentümer weniger Gedanken an den potenziellen Wertverlust ihrer Immobilie verschwenden dürften als daran, ob sie die nächste Stromrechnung pünktlich werden bezahlen können.


Noch mehr phantasievolle Antennenverstecke gibt es hier.


Sonntag, 6. April 2008

Brennholz

Die Nächte sind bereits empfindlich kalt, aber tagsüber hat die Sonne noch so viel Kraft, dass man es in windgeschützten Ecken nicht lange ohne Schatten aushält. Für den hat Andrés selbstverständlich gesorgt. Der Andalusier, den das Schicksal in den Süden Chiles verschlug, hat vorher jahrelang in ostdeutschen Tapas-Bars gekocht und weiß mit Gästen umzugehen, auch bei einem Gartenfest in Valle Volcanes.


Während sich die Liebhaber von Meeresfrüchten über ein Blech calamares en su tinta hermachen, kommt das Gespräch auf ein echtes Dauerbrenner-Thema in Puerto Montt – die Holzversorgung für den kommenden Winter. Mit Gas oder Öl heizen hier allenfalls Menschen, die in Hochhäusern wohnen oder zu viel Geld übrig haben, das haben wir schon gelernt. Jetzt ist es höchste Zeit, sich mit einem anständigen Vorrat einzudecken. Auf Bestellung kommt ein Laster vors Haus gefahren und verkauft grobe Holzscheite nach vara, einer alten spanischen Maßeinheit, die einem knappen Quadratmeter Fläche bei rund 40 Zentimetern Tiefe entspricht. Je länger man mit dem Kauf wartet, desto teurer wird das Brennholz – vor allem das gut getrocknete, das im Ofen nicht schwelt und stinkt.


Am besten“, sagt Enrique, der unter der Woche Autos verkauft, „ist tepú. Das hat einen so hohen Brennwert, da musst du aufpassen, dass du nicht deine Bude abfackelst. Aber raulí ist auch in Ordnung, oder luma. Eukalyptus ist Mist, brennt schnell weg und heizt trotzdem schlecht.“ Tepú, raulí und luma sind endemische Hölzer, die den einzigartigen kalten Regenwald Südchiles prägen. Wo werden die denn geschlagen? „In der cordillera de la costa“, weiß Cristóbal, der Forstwirtschaft studiert hat, und in seiner Freizeit am liebsten auf Berge steigt. Bei Los Muermos in der Küstenkordillere würden gewaltige Flächen einfach gerodet. „Da gehen riesige Naturschätze verloren. Es gibt nämlich kein Gesetz, das zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung verpflichtet.“


Nach einem Zwischengang chorizos tischt Andrés einen gewaltigen Lachs auf, den er sorgfältig im Ofen gegart hat. Wie es denn sein könne, dass es keine entsprechenden Gesetze gebe, fragt Mauricio. Der Meeresbiologe, der für die GEF in einem Küstenmanagement-Projekt arbeitet, ist zur Hälfte Kolumbianer und lebt erst seit ein paar Jahren in Chile. Ganz einfach, sagt Cristóbal: Vielen wichtigen Politikern gehörten große Ländereien. „Das sind die ersten Nutznießer einer mangelnden Regulierung, die werden sich hüten, etwas dagegen zu unternehmen.“ Der Fisch schmeckt köstlich.

Jetzt kommt Cristóbal in Fahrt: Das Holz der alerce, eines Baumes, der mehrere tausend Jahre alt werden kann und inzwischen unter strengem Schutz steht, sei in den USA heiß begehrt und werde illegal gehandelt. „Wie eine Droge!“ Im benachbarten Nationalpark Alerce Andino würden heimlich Bäume gefällt, herausgeschmuggelt und bei ihrer Verschiffung unter minderwertigem Holz versteckt. „Aber das sind ja wenigstens Chilenen, die sich da bereichern. Unten in Patagonien, wo keiner den Überblick hat, ziehen die Gringos einzelne Bäume mit Hubschraubern aus dem Wald. Die stehlen sie einfach.“ Woher er das denn nun schon wieder wisse, fragt ihn Marisol, seine Schwester und Enriques Frau. „Hab ich halt gehört“, brummt Cristóbal und macht ein frisches Bier auf.


Ein paar Flaschen Rotwein später wird die Gitarre aus dem Haus geholt. Enrique schrubbt alte Hits von Charly García, Mauricio macht die zweite Stimme, und Cristóbal drischt auf ein Percussion-Set aus Küchenutensilien ein. Der Abend wird sehr nett. Noch später erzählt uns Andrés grinsend, dass Mauricios Frau Luisa in einer Woche die unglaubliche Menge von drei varas verheizt. Sie ist halt Kolumbianerin und kommt mit der Kälte hier nicht klar.


Samstag, 5. April 2008

Blätter fallen

Zum Herbstanfang ein welker Gruß aus der "Rosenstadt" Puerto Varas.