Sonntag, 13. Juli 2008

Isla Damas


Nördlich von La Serena, irgendwo in der von Sträuchern und Kakteen bestandenen Halbwüste, führt ein Abzweig in Richtung Punta Choros. Nach vierzig oder fünfzig Kilometern Schotterpiste durch ein trockenes Flusstal erreicht man den Flecken und das Meer - ein sagenhaftes Meer mit tiefblauem Wasser, weißen Stränden und Pelikanen, die auf den Felsen in der Brandung hocken. Dann besteigt man ein Boot und setzt über zur Inselgruppe des Naturparks "Pingüino de Humboldt".

Die Fischer verdienen inzwischen mehr mit der Beförderung von Touristen als mit ihrem angestammten Gewerbe. Sie beherrschen ihre wendigen Boote vorzüglich, mit denen sie die Besucher aus Santiago, Argentinien, Europa oder den USA den Delfinen hinterherschippern, die hier zuverlässig aus den Wellen springen. Beeindruckender noch sind die Seelöwenkolonien auf den Felsen der Isla Choros. Man kommt den balgenden, fauchenden oder dösenden Tieren auf wenige Meter nahe, ohne dass diese sich davon aus der Ruhe bringen ließen. Damit nicht genug: Auch Seeotter, Albatrosse und Tölpel sowie den niedlichen Pinguin gibt es zu sehen, der Pate für den Park stand.

Auf der kleineren Isla Damas kann man kaum Tiere beobachten, dafür gibt es Kakteen voller Flechten und einen blendend weißen Sandstrand, auf den türkise Wellen rollen. Zum Baden taugt er dennoch wenig: Das Wasser ist eiskalt. Das liegt an der Meeresströmung, die nach demselben deutschen Forscher wie der kleine Pinguin benannt wurde, der Corriente Humboldt.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Unterwegs


Santiago - La Serena, 8. Juli 2008

Dienstag, 8. Juli 2008

Nachtrag

Ein geschätzter Kollege in Berlin, der eine ausgeprägte mathematische Ader besitzt, hat dankenswerterweise die von mir im Post Wechselkursgewinnler aufgeworfenen Fragen erschöpfend beantwortet. Damit das nicht untergeht, erteile ich ihm an dieser Stelle einfach mal das Wort:

Hallo C.,

Erstmal zu der Formel für die Änderungsrate. Die ist doch ganz plausibel und nichts anderes als simple Prozentrechnung. Nehmen wir mal an, ein Euro sei im vergangenen Jahr (also zum Zeitpunkt "t minus 1") 100 Pesos wert gewesen. Dann wäre folglich der Wechselkurs (WK) zu dem Zeitpunkt (WK t-1) gleich 100. Wenn nun heute (also zum Zeitpunkt "t") ein Euro 103 Pesos wert wäre, wäre das der "WK t". Nun setzt man die Zahlen in die Formel ein (103 - 100) / 100 und errechnet so die Änderungsrate 0,03, was anders ausgedrückt 3 Prozent entspricht. Der Teil der Änderungsratenformel hinter dem zweiten Gleichheitszeichen ist nur eine mathematische Vereinfachung des Terms, der die Rechnung erleichtern soll, läuft aber selbstverständlich auf das gleiche hinaus.*

Die Kurve zeigt nun den Verlauf des Wechselkurses. Mit Hilfe deiner Formel und der in der Grafik ablesbaren Werte kannst du dann die Änderungsrate ausrechnen. Nehmen wir mal den Wechselkurs von Ende Juni mit ca. 830 als WK t und den von Anfang März mit ca. 700 als WK t-1 lässt sich die Änderungsrate 0,1857 (=18,57 Prozent) errechnen. Aber das wusstest du ja selber schon. Die eigentliche Frage, warum sich der Kurs so und nicht anders entwickelt, kann ich dir auch nicht beantworten. Außer dass sich hier, wie die Ökonomiefreaks immer so schön schwadronieren, der Preis im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage ergibt.

Seid also einfach froh, dass ihr nicht 2005 in Chile wart, denn damals hat der Euro binnen eines Jahres rund 20 Prozent verloren.

Grüße, G.

*Für Freaks der Bruchrechnung:
("WKt"-"WKt-1")/"WKt-1" = ("WKt"/"WKt-1")-("WKt-1"/"WKt-1") = ("WKt"-"WKt-1")-1

Noch Fragen?

Santiago

Immer wenn wir von Puerto Montt nach Santiago fahren, scheint es mir ein wenig, als kämen wir gerade erst wirklich in Chile an. Das mag einerseits an den tiefen Freundschaften liegen, die uns mit dieser Stadt verbinden, es ist aber auch ein bisschen gesellschaftliche Realität: Die Metropole ist Essenz und Spiegelbild des gesamten Landes, alle sozialen, ökonomischen, ethnischen Widersprüche treten hier zu Tage, alles wird hier gebündelt und transformiert, hier kann man den Boom und das Elend besichtigen. Hier ist die Politik, hier ist das Geld, hier ist die Kultur. Die Stadt ist im brutalstmöglichenen Sinne up to date und gleichzeitig voller Nischen, in denen kaum die Zeit vergeht. Neben anderen lateinamerikanischen Megastädten mag Santiago mit seinen 6 Millionen überschaubar sein, verglichen mit der Provinz ist es ein Gigant - und trotz aller drängenden Umweltprobleme will die Expansion nicht stoppen.

Santiago hat keinen guten Leumund, weder bei ausländischen Besuchern noch bei den Chilenen aus der Provinz. Selbst viele Hauptstädter verzweifeln an den überbordenden Dimensionen ihrer Stadt, dem Smog, dem Dauerstau, den Entfernungen, dem Tempo. Mir hingegen reicht schon eine Stunde auf der Plaza de Armas, um all diese Nachteile zu kompensieren. Es gibt so viele Menschen zu sehen: Schüler und Geschäftsleute, Penner und Liebespaare, die Schachspieler im Pavillon, die Fotografen, die Erdnussröster, die Schuhputzer. Die Peruaner vor der Kathedrale, die Witzeerzähler, die Maler. Der Mann ohne Beine, der sich auf einem Brett durch die Menge schiebt, die berittenen Polizisten. Der Prediger, der allen Passanten, die sich nicht auf der Stelle bekehren, ewiges Höllenfeuer prophezeit. Menschen mit einem Ziel und ohne eines, Käufer und Verkäufer, Taschendiebe, Flaneure. Auf diesem einen Fleck herrscht mehr Urbanität als in hundertzwanzig deutschen Innenstädten zusammen. Sollte ich gerade ins Schwärmen geraten sein?