Donnerstag, 5. Juni 2008

Zerstört

Die kleine Stadt Chaitén, deren Hausberg sich vor einem guten Monat als aktiver Vulkan entpuppte, bleibt weiter evakuiert. Wie aktuelle Bilder zeigen - hier eine Galerie -, ist mit den Resten des Ortes auch nicht mehr viel anzufangen, seit der Fluss im andauernden Ascheregen über die Ufer trat. Traurig für die chaiteninos, die sich das aus sicherer Entfernung, aber ohnmächtig ansehen müssen.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Streik

Wenn die diversen Naturkastastrophen gerade einmal nachlassen, machen sich die Chilenen gegenseitig das Leben schwer - wie das eben so üblich ist auf der Welt. Am Montagabend sind die Lastwagenfahrer, besser gesagt: die Lastwagenbesitzer in einen Streik getreten, der eigentlich 48 Stunden dauern sollte, jetzt aber vom Verband der Transportunternehmer auf unbegrenzte Zeit verlängert wurde. Mit der Arbeitsniederlegung und teilweise auch mit Straßenblockaden soll eine Senkung des Diesel-Preises erzwungen werden, der in den vergangenen Wochen auch in Chile historische Höhen erreicht hat und mit dem Benzin gleichzieht. "Wir arbeiten nur noch für die Tankstellen", maulen die transportistas.

Auf der Panamericana stapeln sich die Laster. Ausriss: El Llanquihue

Tatsächlich hat die Regierung in Santiago bereits Hilfe zugesagt: Die Einzahlung von einer Milliarde US-Dollar in den nationalen Kraftstoff-Stabilisierungsfonds soll den Liter Diesel von derzeit 650 Pesos (etwa 87 Eurocent) auf 600 Pesos (rund 80 Eurocent) drücken. Das reicht nicht, finden die camioneros, sie verlangen drastische Steuersenkungen. Ihre Streiks sind brisant in Chile, wo die Bahn als Transportmittel eine marginale Rolle spielt und kaum Ausweichrouten neben der Panamericana bestehen. Zur Destabilisierung der Allende-Regierung Anfang der 70er haben die Transportunternehmer entscheidend beigetragen.


In Puerto Montt streiken nicht nur die Lastwagen- sondern auch die Bus- und viele Taxifahrer. Entsprechend fiel der heutige Feierabend-Stau aus, an den Straßenrändern standen Trauben von Menschen im Regen, die nach einer Mitfahrgelegenheit in die Peripherie Ausschau hielten. Besonders grotesk: die Autoschlangen an den Tankstellen, wo man sonst eigentlich nie warten muss. Entgegen den hiesigen Gewohnheiten wollen alle noch einmal den Tank voll machen, bevor auch die Zapfsäulen mangels Nachschub streiken. Und weil das eine self-fulfilling prophecy ist, werde auch ich mich jetzt, zu vorgerückter Stunde, noch einmal auf den Weg zur Tanke machen.

Dienstag, 3. Juni 2008

Fragen zu Puerto Montt

Von Víctor Jara war hier ja schon kurz die Rede. Gestern hat der Untersuchungsrichter, der die Ermittlungen zum Mord an Jara nach langen Jahren eingestellt hatte, den Fall wiederaufgenommen - offensichtlich auf Druck der Öffentlichkeit und auch vieler Politiker.

Für S. und mich ist Víctor Jara ein Begriff, seit wir angefangen haben, uns für Chile zu interessieren. S. ist mit Jaras Liedern quasi aufgewachsen, ich hatte zumindest die Biografie von Joan Turner, seiner Witwe, gelesen. In Chile ist Jara nach wie vor eine linke Ikone, wenn auch vielleicht für ein inzwischen gereiftes Publikum.

Ich mag viele von Víctor Jaras Liedern, allerdings in der Interpretation anderer Sänger oder Gruppen. Das liegt an meiner ketzerischen Überzeugung, Jara habe einfach keine gute Stimme - näselnd, schmalzig, irgendwie unausgeglichen. Einen Eindruck kann man sich hier verschaffen:



Das Lied "Preguntas por Puerto Montt" ist eines der berühmtesten Protestlieder im Rahmen der Neo-Folklor-Bewegung "Nueva Canción Chilena". Jara klagt darin den Mord an Landbesetzern an, den Polizisten im März 1969 in Puerto Montt verübt hatten. Die Toten gehörten zu einer größeren Gruppe armer Familien, die auf der Pampa Irigoin, einem brachliegenden Gelände im oberen Bereich der Stadt, ihre Hütten errichtet hatten - durch solche tomas entstanden damals viele Armenviertel, die später legalisiert wurden. Obwohl der Eigentümer des Grundstücks die Besetzer offenbar tolerierte, ordnete der christdemokratische Innenminister Edmundo Pérez Zújovic die gewaltsame Räumung an, bei der die Polizei nach allen bisherigen Erkenntnissen auf unbewaffnete, fliehende Menschen schoss.

Pérez Zújovic wurde zwei Jahre später von einem linksextremen Terrorkommando auf offener Straße hingerichtet - als Rache für das Massaker, wie es hieß. Jara soll sich mitschuldig an seinem Tod gefühlt haben, immerhin hatte er ihn in seinem Lied mit vollem Namen genannt und als Urheber des Verbrechens bezeichnet. Heute heißt der chilenische Innenminister wieder Edmundo Pérez, es ist der Sohn des damaligen Amtsinhabers. Ich habe natürlich versucht, die Pampa Irigoin zu finden. An der Stelle, wo das Massaker stattfand, befindet sich heute das Viertel Manuel Rodríguez, arm ist es immer noch. An seinem Rand erhebt sich allerdings der Líder, der größte Super-, nein Hypermarkt der Stadt. In der Musikabteilung kann man vermutlich auch CDs von Víctor Jara kaufen, ich habe das aber nicht nachgeprüft.

Montag, 2. Juni 2008

Hausaufgaben

B. macht Spanisch-Hausaufgaben. Geübt wird der Unterschied zwischen den beiden Verben, die dem deutschen "sein" entsprechen: ser und estar. Es müssen jeweils Sätze gebildet werden, die mit Mi pieza ..., Mi casa ... und Mi barrio ... beginnen. Natürlich helfen wir.


Mi pieza es ... bonita. Mein Zimmer ist (immer) schön. Nun, warum nicht.
Mi pieza está ... desordenada. Mein Zimmer ist (gerade) unordentlich. Stimmt auf jeden Fall, obwohl es sich eigentlich um einen Dauerzustand handelt.

Mi casa es ... grande. Mein Haus ist groß. Das ist relativ.
Mi casa está ... calentita. Mein Haus ist schön warm. Das ist leicht übertrieben.

Mi barrio es ... nuevo. Mein Viertel ist neu. Vollkommen richtig.
Mi barrio está ...
Mi barrio está ...

Dazu will uns nichts einfallen. Was ist denn das für ein Satz? Dann fällt unser Blick aus dem Fenster, auf die Rauchschwaden, die fett und träge in der Luft stehen. Alles klar.

Mi barrio está contaminado.