Montag, 7. September 2009

Nasse Tage in Santiago

Da fährt man einmal übers Wochenende nach Santiago, eine Stadt mit geschätzt zehn Regentagen im Jahr, und prompt gießt es wie aus Eimern, geschlagene 48 Stunden lang. Ständig muss man Umwege gehen und gazellenhafte Sprünge machen, weil sich auf den nicht für Dauerregen konzipierten Straßen knöcheltiefe Seen bilden. Den Menschen in Santiago macht das wenig aus, für sie ist es eine willkommene Abwechslung - und ein Anlass, endlich wieder Sägemehl zu ver­streuen. In jeder Fleischerei, jeder Apotheke, jedem Kurzwarenladen wird das Zeug eimerweise auf den Boden gekippt, um die von draußen hereingetragene Feuchtigkeit zu binden. Ob das wirklich sinnvoll ist, sei dahingestellt, aber es gibt der Stadt für kurze Zeit etwas Ländliches.

Ganz so harmlos war der Regen am Ende dann doch nicht: Mehrere Menschen kamen am Rand der Hauptstadt durch Schlammlawinen ums Leben. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wird dieses durchaus nicht neue Phänomen dadurch verstärkt, dass sich die Schneefallgrenze im Laufe der globalen Erwärmung langsam nach oben verschiebt. Wenn das stimmt, müssten sich die Chilenen darauf einstellen, solche Bilder noch häufiger zu sehen.

Kommentare:

  1. Hallo Claudio,

    wie aus Deinem Blog neulich zu schliessen, werdet ihr im Winter in Puerto Montt quasi zu Unterwasserbewohnern. In Chillán - näher am subtropischen Santiago als Puerto (Atlantis) Montt, bin ich auch froh um jeden Tropfen der im Winter fällt. Irgendwo südlich von Santiago gibt es eine Grenze die das sommertrockene Chile vom gemässigten Süden trennt. Diese Grenze hat sich verschoben und ich verorte sie jetzt etwas nördlich von Temuco. Als ich vor vier Jahren mein Grundstück bei Chillán gekauft habe, wurde ich noch gewarnt, dass ich auf der Höhe mit sommerlichen Gewittern und Blitzschlägen rechnen müsse. Die Nachbarn zeigten mir betroffene Bäume. Ich habe dort nie ein Gewitter erlebt. Die Alten warten im Dezember noch auf den letzten Regen der traditionell um den 19. herum fällt. Tatsächlich ballen sich an diesen Tagen die Wolken. Aber kein Tropfen. Der letzte Regen fällt im Oktober, dann ist Dürsten angesagt bis Mai. Die Fundos (Grossgrundbesitz) haben Bewässerungsanlagen installiert. Die Kleinbauern säen avena (Hafer) der mit der Trockenheit klarkommt aber magere Ernten liefert. Oder sie ziehen Gräben durch die Felder, die sie mit Wasser von der nächsten Quelle fluten. Ich beobachte ab dem Spätsommer nervös den Wasserspiegel des Brunnens und halte meine Besucher zu Kurzduschen an. Regenrauschen klingt wie Musik in meinen Ohren :-)

    Stefan

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  2. Hallo Stefan,

    das klingt nicht gut. Ich bin ja immer vorsichtig, wenn es um vermeintliche Anzeichen für den Klimawandel geht, aber beim Wetter in Chile stimmt gerade so einiges nicht mehr. Hier unten hat es zwar viel geregnet, aber offensichtlich verschiebt sich auch in diesen Breiten die Schneefallgrenze nach oben. Ende August wurde zwischenzeitlich die Straße gesperrt, die auf den Osorno führt, weil es selbst auf dem Gipfel des Vulkans (2.600 Meter) regnete. Das spült natürlich den bislang gefallenen Schnee weg. Was Wunder, wenn nachher im Sommer der Gletscher immer mehr zusammenschmilzt.

    Grüße

    Claudius

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